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Atme Dich ins Hier und Jetzt. Wie Atmung das „Ankommen“ ermöglicht

Updated: Nov 1, 2021



'' Wer den Atem zu meistern vermag,

vermag auch seinen Geist zu meistern.'' 1



Die Atmung als der ständige Begleiter unseres Lebens bekommt schon im mudrā (also gleich zu Beginn der Yogapraxis) die Aufmerksamkeit, welche sie verdient und im Alltag leider oft zu kurz kommt. Wir drücken uns über unsere Atmung aus. Sie spiegelt geradezu unser Innerstes nach außen und somit erklärt sich auch die enge emotionale Verknüpfung. Das kennst du sicher gut. Wenn du aufgeregt bist, ist deine Atmung schnell und flach. Bist du dagegen entspannt, ist sie tief und ruhig.


Im āṣṭhaṅga-yoga nach Patañjali stellt der prāṇāyāma die Brücke vom äußeren zum inneren Yoga dar. Um in der Yogapraxis im Unterricht richtig anzukommen, verwenden wir yogīs und yogīnīs die Atmung wie bereits erwähnt als ein Werkzeug des Bewusstseins, um diese Brücke zu überschreiten.


„Denn, wenn du in Kontakt mit deiner Atmung bist, bist du auch in Kontakt mit Dir selbst.“ 2


Mit jedem Atemzug nimmst du nicht nur Sauerstoff auf, sondern auch prāṇa- die Kraft, welche alles zusammenhält.

Die Atmung ist neben Wasser, Nahrung und Licht eine der Hauptquellen von prāṇa. Sie nähren den prāṇamaya kośa. Der Körper, der aus prāṇa besteht.

Am Meer oder in den Bergen haben wir übrigens einen höheren Gehalt an prāṇa, als beispielsweise in einem Büroraum in der Großstadt. Das bemerkt man ganz schnell, wenn man bei einem Urlaub an der Küste wieder tief durchatmen kann.


„Atmen kommt ursprünglich aus dem Sanskrit ātman. Ātman ist die Uressenz der Seele. Es gibt ein persönliches ātman und ein göttliches ātman Beide haben die gleiche Essenz, jedoch einen unterschiedlichen Ausdruck. Das persönliche ātman drückt eine feste Form aus, z.B. ein Tier, einen Berg oder einen Planeten. Das göttliche ātman drückt die Verbindung zwischen

diesen einzelnen Wesen dar. Wie ein Netz. Einatmen bedeutet in der Seele zu sein. Ausatmen heißt, aus der Seele heraus treten.“3


Die meisten Menschen atmen in der Regel nicht vollständig. Das heißt, sie atmen ein, aber nicht vollständig aus.

In unserem Blut wird über kleine Messrezeptoren der CO2-Gehalt gemessen. Wenn der CO2-Gehalt steigt, bemerken wir dies zunächst durch einen tiefen Einatemimpuls. Unserem Atemzentrum ist es also zu verdanken, dass wir wirklich immer einatmen und unsere Zellen so zu dem wertvollen Sauerstoff für die vielschichtigen Prozesse unterschiedlichster Art, kommen. Dieser Prozess ist für uns doch sehr selbstverständlich und das ist auch gut so. Denn auch in Phasen der Krankheit oder der Bewusstlosigkeit ist unser Körper in der Lage selbsterhaltend zu arbeiten.


Vielleicht hast du aber auch schon bemerkt, dass, wenn du der Ausatmung mehr Zeit gibst, sofortige Ruhe und Entspannung eintritt. Woran liegt das?

Das Endprodukt unseres Stoffwechsels ist Kohlensäure, im Blut gelöst also Kohlendioxid. Wenn nicht vollständig und tief ausgeatmet wird, reichert sich mehr und mehr Kohlendioxid an und der pH-Wert des Blutes verschiebt sich in den sauren Bereich. Dies zeigt sich vermehrt durch Symptome wie Erschöpfung, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen.


Natürlich kann die Übersäuerung unterschiedliche Organe und somit ihre Gewebe betreffen und dementsprechend unterschiedliche Ursachen haben. Eine weitere Folge von vermehrtem Einatmen ist eine Muskelverspannung des Brustkorbs, bedingt durch verstärkte Kontraktion der Atemhilfsmuskeln, welche für die vertiefte Einatmung natürlich unbedingt notwendig sind.

Seit jeher wissen die yogīs und yogīnīs dass es weniger um tiefes Einatmen als vielmehr darum geht, lang und genussvoll auszuatmen.

Ein großer wichtiger Bestandteil des haṭha yoga ist das Praktizieren von Atemübungen.


Wenn das Ausatmen verlängert wird, folgt dann zumeist automatisch ein viel tieferes Einatmen.

Aufgestaute Spannung und Erschöpfung können also mithilfe des verlängerten Ausatmens regelrecht „weggeatmet“ werden. Da für die Ausatmung vor allem Bauchmuskeln zur Unterstützung eingesetzt werden, bewirkt dies, dass sich nicht nur der Brustkorb, sondern auch der Bauchraum und dadurch in der Folge sogar der rückwärtige Raum (lumbaler Bereich) entspannt.

Die volle yogische Atmung- mahāt yoga prāṇāyāma mit sparśa mudrās macht dagegen deutlich, wie einfach und doch vollkommen Atmung sein kann.

Betrachtet man die Atemphasen also differenziert, erkennt man schnell, dass es sich dabei mehr als um den bloßen Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid dreht. 1 Svātmārāma, Haṭha-Yoga-Pradīpikā IV, 21

2 Leone, Ananda 3 Leone, Ananda S.19, Prāṇāyāma- Lust zum Atmen Genussvoll atmen

#mariayoga #jetztbeginntyoga ©maria langner,2020


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